Stadtradeln

AUSDAUERSPORTLER SIND GEWINNER 

 

Spaß muss sein: Wie einen Bob schieben Marc-Philipp Nikolay (von links), Kurt Beneking und Marita Ritter das Velomobil mit Pilot Thomas Ritter an. Foto: Ursula Holtgrewe

Erfolgreich, aber mit reichlich Luft nach oben – das ist das Fazit der ersten Teilnahme der Gemeinde Lotte am bundesweiten Stadtradeln mit sportlichen Einzelpreisträgern.

„Insgesamt haben die Lotter Teilnehmer 2433 Kilo CO2 eingespart“, resümiert Marc-Philipp Nikolay. Dadurch habe dieGemeinde bei der Premiere einen Platz im soliden Mittelfeld von 620 teilnehmenden Kommunen und Städten erreicht. „Das ist ein voller Erfolg, aber ausbaufähig“, motiviert er bereits für die Teilnahme im kommenden Jahr. Schließlich gebe es Klimaschutz, Spaß, Gesundheitsförderung und Mobilität zum Nulltarif.

Von den 20 Preisen, die erfreulicherweise von lokalen Unterstützern gestiftet wurden, verloste er 17 unter denjenigen, die sich im Zeitraum vom 3. bis 23. September online registriert und gefahrene Kilometer eingetragen hatten.

Sportliche Einzelpreisträger

Weiterhin zeichnete Nikolay die drei Besten aus: Thomas Ritter startete für die Bürgerradweginitiative Hollage-Halen, legte 930 Kilometer mit einer Ersparnis von 132,1 Kilo CO2 zurück und erhielt eine Fahrradtasche. Gemeinde-ITler Kurt Beneking (Verwaltung Lotte) radelte 740 Kilometer (105,1 Kilo CO2) und kann nun einen Akku-Bohrschrauber in seine Werkzeugkiste legen. Marita Ritter (Bürgerradwegeinitiative) belegte mit 655 Kilometern (91,4 Kilo CO2) Platz drei und freute sich über ein Sport-Bundle.Weiterlesen: Mehr aus Lotte im Ortsportal)

Bei der symbolischen Preisübergabe vorm neuen Radunterstand für Verwaltungsmitarbeiter am Rathausparkplatz in Wersen stehen die Fortbewegungsmittel vom sportlichen Ehepaar Ritter im Mittelpunkt: Velomobile mit zwei Vorderrädern und einem Hinterrad. Sie sind nahezu geräuschlos herangehuscht.

Velomobile ähneln Bobs

Ein wenig erinnern die Fahrzeuge mit Karbonkorpus an Seifenkisten oder Bobs, die einen Eiskanal hinunterrasen. Mit seinem Velomobil fährt Thomas Ritter täglich 25 Kilometer zur Arbeit nach Rieste und zurück. Nur bei Schnee und Eis nicht, auch nicht bei starkem Wind.

„Mein Mann hat sich im Jahr 2013 ein Velomobil gekauft. Damit er nicht allein fahren muss, habe ich mir ein Jahr später eins zugelegt“, berichtet Marita Ritter schmunzelnd.

Beide sind seit vielen Jahren dem Ausdauersport verbunden. Sechs Ironman-Wettbewerbe haben sie gemeinsam mitgemacht. Marita Ritter kann über insgesamt 16 solcher Ausdauerwettbewerbe, auch auf Hawaii, erzählen.

1200 Kilometer durch Skandinavien

Auf ihrem Velomobil wirbt sie nicht nur für John McGurks Verein „Sportler 4 a childrens world“. Seit diesen Sommer ziert ein Aufkleber „Super Brevet Scandinavia“ die Nase über den Scheinwerfern. „Dabei muss man 1200 Kilometer in 90 Stunden fahren. Start war in Hirtshalts in Dänemark, das Ziel in Kristiansand in Norwegen. Wir haben 86 Stunden gebraucht“, blickt die Ausdauersportlerin zurück.

Insgesamt legt das Paar jährlich 15000 bis 16000 Kilometer auf muskelbetriebenen Rädern unterschiedlicher Art zurück. „Manchmal hole ich meinen Mann auch von der Arbeit ab, damit ich im Training bleibe“, verrät Marita Ritter.

„Wir fahren wirklich selbst“

Dann gilt die Aufmerksamkeit anderer Verkehrsteilnehmer den beiden windschnittigen bodennahen Radvarianten. „Wir fahren wirklich selbst. Da ist kein Motor drin“, müssen beide immer wieder in Gesprächen betonen.

Straßenverkehrstauglich sind die Velomobile. Sie gelten als mehrachsige Fahrzeuge, die auf Fahrbahnen fahren dürfen. „Es ist alles dran. Vorder- und Rücklicht, Blinker, Spiegel und Bremse“, erklärt Thomas Ritter. Interessiert hören Nikolay und dessen Arbeitskollege Beneking zu.

Radmarathon

Beneking fährt seit dem Jahr 1995 mit dem Rad zur Arbeit. „Ich treibe seit Anfang 2000 auch Ausdauersport und beteilige mich auch an Radmarathons. Dabei fährt man Strecken von als 200 Kilometer“, berichtet er über sein Hobby auf dem Rennrad.

Das ist erheblich leichter als ein Velomobil. „Meins wiegt etwa 30, das meiner Frau etwa 25 Kilo“, sagt Thomas Ritter. Er ist in der Familie der Chefmonteur und Tüftler. Für Wartung und Reparaturen legt er das Mobil schon mal auf die Seite. Auch einen Riss in der Karbonhülle hat er bereits repariert. Davon ist nichts mehr zu sehen.

Wenn er bei Regen zur Arbeit fährt, wird er nicht nass. Dann stülpt er sich eine Haube über, die mit Klettverschlüssen an der Karbonverkleidung gesichert wird.

Geräuschlos weggehuscht

Es dämmert bereits, als sie sich auf dem Rathausparkplatz verabschieden und nur zum Spaß Thomas Ritter anschoben. Er lenkt einen großen Bogen in Richtung Rampe, legt einen niedrigen Gang ein und tritt in die Pedale. Geräuschlos huschte er davon.

(Der Artikel ist in der Osnabrücker Zeitung erschienen)

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