Cherusker500 – Hermann hat gerufen, wir sind gekommen.

Am diesjährigen Vatertag trafen wir uns mit einigen Mountainbikern in Bad Oeynhausen zum Start einer mehrtägigen Tour auf den Spuren der Cherusker. Auf Wegen durch das Wiehengebirge, dem Deister und des Teutoburger Waldes  fährt jeder in seinem Tempo als Selbstversorger einen vorgegeben Track. Es gibt keine Verpflegungspunkte, so dass teilweise Vorräte am Rad mitgenommen werden und Gastronomie und Supermärkte an der Strecke als Futtertankstellen genutzt werden. Mit der Fähre ging es über die Weser und kurze Zeit später kam auch schon die erste Trage- und Schiebepassage  über Treppen und einem steilen Anstieg hinauf in den Wald. Schnell war die Gruppe in Einzelfahrer und Kleingruppen zerfallen. Wir wussten das mehr als 9000hm auf ca 460 km vor uns lagen und blieben bei einem angemessenem Tempo. Die Temperatur um die Mittagszeit lag bei 25Grad, so dass wir schnell ins Schwitzen kamen und überflüssige Kleidung auszogen. Beim Verstauen machte ich einen groben Fehler und verzurrte das Band des Gepäckstücks hinten nicht ordentlich. Bei einer ruppigen Abfahrt löste sich das Band, kam ins Hinterrad und riss den Alugepäckträger runter. Es gab ein schreckliches Geräusch, ich konnte zum Glück sofort anhalten und so Schlimmeres verhindern. Thomas konnte das Band vom Hinterrad nur mit einem Messer lösen und ich musste das Gepäckstück zusätzlich in meinen eh schon schweren Rucksack quetschen. Bei den nächsten Anstiegen machten sich die Schultern und der Rücken immer mehr bemerkbar. Wir hielten zu einer Rast an und aßen erstmal soviel wie möglich von den schweren Vorräten auf und verteilten das Gepäck nochmal um. Wir fuhren bis in die Dunkelheit hinein und schlugen unser  Zelt an einer Schutzhütte auf, bei der schon 5 andere Fahrer auch die Nacht verbringen wollten. 90km hatten wir an diesem Tag nur geschafft, da der Start erst um 11Uhr war und die vielen Höhenmeter kein schnelleres Vorrankommen möglich machten. Der zweite Tag hatte auch eine böse Überraschung für uns bereit. Gegen Spätnachmittag zwischen Lemgo und Detmold überprüfte Thomas seine Kette, weil diese schon seit mehreren Anstiegen Probleme machte. Er stellte fest, dass sie an mehreren Stellen brüchig war. Das Werkzeug und die Ersatznieten reichten nicht aus sie zu reparieren. Das hieß letzten Endes: Kette abbauen, das Rad die Anstiege hinauf schieben und runter rollen lassen. Die Geschäfte in Detmold hatten gerade geschlossen.  Wir hatten keine Lust bis zum anderen Tag untätig rumzusitzen und zu warten bis ein Radgeschäft öffnete. Der Bahnhof wurde angesteuert und dass gerade ein Zug Richtung Osnabrück kam, wurde von uns als Zeichen gesehen, diese Tour im Moment als gute Trainings- und Erfahrungszeit zu sehen.

 

 

Zwei Wochen später, am 17.6., nahmen wir den 2. Anlauf der Cherusker Tour. Da wir viele Erfahrungen des ersten Anlaufs umsetzen wollten, hatten wir weniger Gepäck und keine schweren Rucksäcke um unsere Schultern zu schonen. Wir starteten gegen 7 Uhr und konnten so viel mehr Tageslicht nutzen. Unser Startpunkt war diesmal der Mittellandkanal auf Höhe Bramsche, der ca 100km auf dem Track vor Bad Oeynhausen liegt. Schnell waren wir auf dem Wittekindsweg und gegen Spätnachmittag erreichten wir Porta Westfalica. Wir fuhren im Nieselregen weiter bis Kathrinhagen, wo wir auf einer frisch gemähten Wiese zwischen Mais und Getreide unser Zelt aufschlugen. 140km und 3400hm lagen hinter uns. Um 6Uhr in der Früh ging es weiter und pünktlich um 8 Uhr kamen wir an einer kleinen Bäckerei vorbei die gerade öffnete. Gut gefrühstückt ging es bald in den Deister hinein und Mittags bekamen wir am Nordmannsturm was Leckeres  zu essen. Es wurde richtig heiß und die wenigen Nachtstunden machten sich durch Müdigkeit und Unkonzentriertheit bemerkbar. So kam es, dass ich bei einer Steigung zu spät runter schalten wollte, hierbei die Kette runter fiel und ich vom Rad stürzte, weil ich nicht schnell genug aus dem Klickpedal kam. Ich hatte Glück und kam mit einer kleinen Schürfwunde am Knie und einem blauen Fleck auf dem Allerwertesten davon. Wir beschlossen diesen Tag nach 104 km und 2200hm zu beenden, auch weil ein Campingplatz im Extertal sehr einladend auf uns wirkte. Wie gut die Dusche tat, kann man nur nachvollziehen wenn man mal erfahren hat, wie es sich anfühlt zwei Tage in Schweiß gebadet und mit Staub gepudert zu werden.

 

 

 

Diesmal hatte das Radgeschäft in Lemgo auf und wir kauften uns neue Helme, da wir an den  alten so einige Mängel festgestellt hatten. Neues Material motiviert auch immer wieder, so machte uns eine weitere Schiebepassage zum Hermannsdenkmal  nichts aus. Ab hier ging es überwiegend auf dem Hermannsweg im Teutoburger Wald weiter und wir schafften es an diesem Tag bis Dissen. Im Stockdunkeln erreichte wir eine Schutzhütte wo  Vorgänger bereits Bänke zu einer Art Liege zusammen geschoben hatten. Die Thermarest ausbreiten und in den Schlafsack hinein, zu mehr war ich nicht mehr in der Lage. 125km mit 2850hm hatten mich geschafft. Auch auf den letzten 1150hm am nächsten Tag durch den Teuto waren noch einige schwierige Stellen zu bezwingen und nur die letzten 40km  vom Nassen Dreieck bis Bramsche waren flach zu befahren, aber dafür knallte hier die Sonne mit 30 Grad auf uns nieder. Kurz nach 14Uhr erreichten wir den gleichen Punkt, an dem wir 3 Tage vorher gestartet waren. Jetzt brauchten wir nur noch 10km bis nach Hause fahren. Und wieder liegt ein weiteres Radabenteuer hinter uns.

 

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Sieg den Cheruskern!

 

 

Cherusker Juni2017 Zusammenfassung

Infos zum Cherusker500 gibt es hier:

 

 

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2 Gedanken zu “Cherusker500 – Hermann hat gerufen, wir sind gekommen.

  1. Schön geschrieben. Das wäre mal ein tolles Abenteuer … Schön, dass ihr das kurz darauf nochmal in Angriff genommen habt! Ich glaube der Stoneman wäre auch etwas für euch … gibt auch einen im Erzgebirge, den würde ich gerne im August fahren. GlG Gabi

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