Beitrag in der NOZ vom 01.08.2015

NOZ Artikel

Lotte. Mal werden sie belächelt, weil die bunten Kisten wie großes Spielzeug wirken. Mal werden sie beschimpft, weil sich Autofahrer in ihrem Reich gestört fühlen. Mal werden sie fotografiert, weil sie einfach urig und wie von einem anderen Planeten erscheinen, was der Nachwelt gezeigt werden soll. Die Rede ist von Velomobilen, jenen in verschiedenen Farben leuchtenden, muskelkraftbetriebenen Fahrzeugen, die mit einer geschlossenen Stromlinienverkleidung ausgestattet sind, die den Fahrer vor Wind und Regen schützt. Sie werden oft aus Liegerädern entwickelt und haben in der Regel drei Räder.

Zum Beispiel die ideale Form zur sportlichen Betätigung für Marita Ritter, die nach 16 Starts bei Ironman-Events im Triathlon auf Hawaii als Nonplusultra und vielen langen Läufen eine neue Herausforderung suchte. Und wenn schon, dann zusammen mit ihrem Ehemann Thomas. Das Ja-Wort gaben sich die beiden durchtrainierten Halener übrigens beim Ironman auf Hawaii.

Ab 6500 Euro muss man für ein solches Dreirad auf den Tisch legen, was Marita Ritter ebenso wie ihr Mann tat und daraufhin den Zweitwagen abschaffte. Denn wenn es eben geht, radeln sie liegend zu Job und Freizeit, auch zum Kaffeebesuch bei ihrer Tochter nach Korschenbroich mit acht Stunden Fahrzeit über jeweils 220 Kilometer hin und her. Im Alltag sie als Übungsleiterin, Hundesitterin und anderem mehr als frühere Altenpflegerin und Finanzbeamte, er als Mitarbeiter bei Grimme im Niedersachsenpark in Rieste, wohin er täglich radelt. Liegend radelt, denn in dieses bunte Gefährt wird hineingekrabbelt und Platz genommen, ehe Rücken, Hände und Nacken entlastet werden im Gegensatz zum Rennradfahren, das die Ritters zuvor eifrig taten. Zum Beispiel über ihre Einsätze im Triathlon hinaus auf einer Fünf-Tage-Tour über 1400 Kilometer vor zwei Jahren.

Jetzt starten sie über 1300 Kilometer den Radmarathon Paris-Brest-Paris, den man nicht einfach so mitmachen darf, sondern für den man sich qualifizieren muss mit sportlichen Nachweisen in so genannten Brevets zwischen April und Juni über 200, 300, 400 und 600 Kilometer am Niederrhein, im Harz bzw. im Emsland. Eine Qualifikation neben dem Nachweis der Fitness erfolgt auch deshalb, weil es eine riesige Nachfrage nach diesem ältesten Radrennen gibt bei maximal 6000 Starterplätzen für erwartete Teilnehmer aus 51 Ländern.

Dabei haben die Ritters das Ziel zu finishen, Marita als dann 30. Frau in der Geschichte dieses Klassikers, bei dem sich die drahtige Ausdauersportlerin auch für den Verein „Sportler 4 a childrens world“ und deren Jahresaktion gegen Kinderarmut in Deutschland zugunsten der Arche stark macht. Zumindest einen Werbeaufdruck hat sie bereits, auf weitere Sponsoren und deren Logos („Platz ist reichlich“) hofft sie auf ihrem leuchtend-bunten Vehikel, das zur Sicherheit auch mit Rückspiegel ausgestattet als der etwas andere Verkehrsteilnehmer, bei dem immer wieder vergebens nach dem Motor gesucht wird…

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